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RCD/FI-Schutzschalter nachrüsten (max. 6 Stromkreise je RCD)

· Gordon Genenger

Ein Fehlerstrom-Schutzschalter – kurz RCD (Residual Current Device), umgangssprachlich auch FI-Schalter – gehört heute zur Grundausstattung jeder sicheren Elektroinstallation. Er erkennt gefährliche Fehlerströme in Sekundenbruchteilen und schaltet ab, bevor ein Stromschlag oder ein Brand entstehen kann. In vielen Bestandsanlagen fehlt dieser Schutz jedoch ganz oder ist nur unzureichend vorhanden. Wir rüsten 30-mA-RCDs fachgerecht nach und teilen die Stromkreise so auf, dass an einem RCD nicht mehr als rund sechs Stromkreise hängen.

Der Befund: zu wenig Fehlerstromschutz

Bei der Prüfung Ihrer Anlage zeigt sich häufig folgendes Bild: Es ist entweder gar kein RCD vorhanden oder nur ein einziger für die gesamte Installation. Beides ist problematisch. Ohne RCD fehlt der zusätzliche Schutz gegen elektrischen Schlag vollständig. Hängt dagegen die komplette Anlage an nur einem Gerät, legt jeder einzelne Fehler sofort das ganze Haus lahm – vom Licht bis zur Kühltruhe.

Darum ist der 30-mA-RCD so wichtig

Ein RCD vergleicht permanent den hin- und den zurückfließenden Strom. Fließt ein Teil des Stroms über einen ungewollten Weg ab – etwa über den menschlichen Körper oder einen Isolationsfehler –, erkennt das Gerät diese Differenz und trennt den Stromkreis blitzschnell vom Netz. So schützt der RCD gleich doppelt: vor lebensgefährlichen Stromschlägen und vor Bränden, die durch Isolationsfehler entstehen.

Die aktuelle Norm fordert diesen zusätzlichen Schutz mit einem 30-mA-RCD unter anderem für:

  • Steckdosen bis 32 A für die allgemeine Verwendung
  • Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen

Warum maximal rund sechs Stromkreise je RCD?

Die Aufteilung auf mehrere RCDs ist kein Selbstzweck. Sie folgt zwei handfesten technischen Überlegungen.

Grund 1 – Ableitströme summieren sich

Schon im völlig fehlerfreien Betrieb erzeugt nahezu jedes elektronische Gerät einen kleinen, betriebsbedingten Ableitstrom – etwa durch Netzfilter oder Schaltnetzteile. Einzeln sind diese Ströme harmlos, sie addieren sich aber über alle Stromkreise, die an einem RCD hängen. Ein 30-mA-RCD löst bereits in einem Bereich zwischen 15 und 30 mA aus. Die Summe der betriebsmäßigen Ableitströme muss deshalb deutlich darunter bleiben. Begrenzt man die Zahl der Stromkreise auf etwa sechs, bleibt genügend Sicherheitsabstand – und der RCD löst nicht unerwünscht aus.

Grund 2 – Verfügbarkeit bleibt erhalten

Hängt die ganze Wohnung an einem einzigen RCD und dieser schaltet ab, ist alles dunkel – auch Kühlschrank und Gefriergerät. Verteilt man die Stromkreise dagegen auf mehrere RCDs, betrifft ein einzelner Fehler immer nur einen Teil der Installation. Der Rest bleibt in Betrieb.

Die Zahl „sechs“ ist dabei eine bewährte Empfehlung aus genau diesen Überlegungen zu Ableitströmen und Verfügbarkeit – kein starrer, gesetzlich fixierter Grenzwert.

So setzen wir die Nachrüstung um

Wir teilen die vorhandenen Stromkreise auf mehrere 30-mA-Schutzschalter auf – wahlweise als klassische RCDs oder als RCBOs, die Fehlerstrom- und Leitungsschutz in einem Gerät vereinen. Pro RCD planen wir maximal rund sechs Stromkreise ein. Der Ablauf:

  1. Stromkreise sinnvoll auf mehrere 30-mA-RCDs bzw. RCBOs aufteilen.
  2. Den passenden RCD-Typ je nach angeschlossener Last auswählen.
  3. Auslösestrom und Auslösezeit messen, prüfen und dokumentieren.

Die passende RCD-Auswahl

Nicht jeder RCD passt zu jeder Last. Wir wählen den Typ gezielt nach den angeschlossenen Verbrauchern:

  • Typ A als Standard für die meisten Wohnungs- und Haushaltsstromkreise.
  • Typ F oder Typ B bzw. speziell EV-geeignete Schutzgeräte für Wallbox, Wärmepumpe oder Antriebe mit Frequenzumrichter.

Diese Normen geben den Rahmen vor

Die Nachrüstung erfolgt streng nach den geltenden Regeln der Technik:

  • DIN VDE 0100-410 – Schutz gegen elektrischen Schlag, Zusatzschutz mit 30-mA-RCD.
  • DIN VDE 0100-530 – Auswahl und Errichtung, RCD-Typen.
  • DIN VDE 0100-600 – Prüfung der Anlage.
  • DIN EN 61008 – Produktnorm für Fehlerstrom-Schutzschalter.

Ihr Nutzen auf einen Blick

  • Wirksamer Schutz vor lebensgefährlichem Stromschlag.
  • Zusätzlicher Brandschutz durch frühzeitige Erkennung von Isolationsfehlern.
  • Bei einem Fehler bleibt der Rest der Wohnung in Betrieb.
  • Eine normgerechte, geprüfte und dokumentierte Installation.

Was passiert ohne diese Maßnahme?

Ohne nachgerüsteten Fehlerstromschutz fehlt der entscheidende zusätzliche Personen- und Brandschutz. Ist nur ein einziger RCD verbaut, kommt ein weiterer Nachteil hinzu: Jeder Fehler – egal wo in der Anlage – legt die gesamte Installation lahm. Die Nachrüstung mehrerer RCDs schließt diese Lücke und sorgt für Sicherheit und Komfort zugleich.